1x Bäcker und zurück – Teil VI

Tag 3 – Es schüttet. Super, wenn man mit dem Rad zur Schnellbahn muss. Egal, ich muss mich ja dann eh wieder in mein Bäckergewand schmeißen, bin ich halt bis dahin nass.

An diesem Tag hab ich es sogar geschafft, meinen ganzen Weg öffentlich zu fahren. Insgesamt brauche ich dafür über 1 Std. und so wie es an diesem Tag war (Regen!) war das ziemlich anstrengend. 10 Min. auf dem Fahrrad und den Rest der Fahrt vollkommen durchnässt in der Schnellbahn und im Bus. Trotz sommerlichen Temperaturen war mir kalt.

An Tag 3 war ich auch wirklich wirklich müde. Also vom Moment des Aufstehens bis Arbeitsende. Ohne Kaffee hätte ich den Arbeittag nicht überstanden. Aber das scheint sowieso die Allheildroge in Bäckerstuben zu sein. KAFFEE!

Während ich mal wieder über dem Fließgband gestanden bin und die Golatschen in der Mitte zusammengefaltet habe, hab ich mal meine Gedanken kreisen lassen. 2 Jahre Bäckerlehre, dann bin ich Geselle, dann noch mind. 1 Jahr in der Meisterschule in Freistadt um den Bäckermeister zu absolvieren. Aber was lerne ich hier wirklich? Bei einem Fließband zu stehen und so viele Kipferl und Golatschen zu produzieren wie nur irgendwie geht. Immer an der Grenze, dass die Produkte qualitativ gut sind und auch gut ausschauen?
Sicherlich lernt man mehr, aber das war das einzige an was ich im ersten Moment gedacht habe.

Positiv: Die Kollegen sind nett und sehr erfahren. Wenn man wissbegierig ist, kann man definitiv über den vorgegebenen Tellerrand schauen und einiges dazulernen.
In der „Plunderabteilung“ waren ja die beiden Senioren, wovon einer gelernter Konditor ist.

Irgendwie hat sich mein anfänglicher Enthusiasmus allerdings gelegt. Meine Nase ist zugeschwollen (zu viel Mehl?), ich habe noch nicht einmal gesehen wie Brot oder ein Teig abgerührt wird und bei den gefühlten 100 Grad in der Nähe der Öfen war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das auch will. Die Brotbäcker fangen in der Regel um 00:30 an zu arbeiten und arbeiten dafür bis ca. 9:00. Auch 6 Tagewochen scheinen die Norm zu sein. Was für mich aber am störendsten war, dass Quantität vor Qualität steht. Dafür würde ich nach den 2 Jahren wohl im Schlaf ein Kipferl drehen können, oder eine Golatsche formen.

Den Chef habe ich während meiner ganzen 3 Probetage immer nur an mir Vorbeigehen sehen. Er hat sich wohl beim Vorarbeiter über mich erkundigt, aber ein wenig mehr Engagement hätte ich mir von ihm schon erwartet. Generell hab ich so das Gefühl bekommen, dass der Chef schon längst den Überblick über seine eigene Bäckerei verloren hat.

Die Verwirrtheit war groß- ich weiß nicht was ich tun soll. Mein letzter Probetag ist zu Ende, das Gespräch mit dem Chef ist gut gerlaufen und ich hätte ein Angebot für eine Lehre zum Bäcker und zum Konditor. Und jetzt?

Endlich wieder um 23:00 schlafen gehen und um 7:00 aufstehen. Will ich das? Die Frage ob ich die Lehrstelle annehme ist mir sehr lange im Kopf herumgespukt. Insgesamt hatte ich 1 Monat Zeit um mir alles durch den Kopf gehen zu lassen.

Alles Liebe
Eure LaGusterina

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Eine Antwort zu “1x Bäcker und zurück – Teil VI

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