1x Bäcker und zurück – Teil V

Tag 2 beginnt. Schlafen können habe ich trotz vollkommener Erschöpfung wieder nicht. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man schon so müde ist, dass man selbst zum Schlafen zu müde ist? Genau so ist es mir gegangen. Das Resultat, ich hab mich wieder für mind. 2 Std. unnötig im Bett herumgewälzt.

An meinem zweiten Tag durfte ich allerdings eine Stunde später anfangen. Daher hat mein Wecker auch erst um 2:15 gelautet. Das habe ich meinen Kollegen zu verdanken, die haben sich nämlich extra erkundigt, welche Arbeitszeiten denn am besten für mich wären. Bzw. wie es für mich irgendwie sinnvoll ist zwecks Öffiverbindung. Sie selbst wohnen nämlich alle relativ nahe zur Bäckerei, sodass meine halbe Weltreise doch für Aufsehen gesorgt hat. 3:30 war auf jeden Fall besser als 2:30. Um diese Zeit ist nämlich zumindest schon die Schnellbahn unterwegs .

Tja Wecker läutet und ich hab mich artig aus dem Bett geschält und bin durch die Wohnung gekrochen. Erstaunlicherweise habe ich sogar ohne Schmerzen auf meine Fußsohlen steigen können. Dachte das wird meine größte Herausvorderung des Tages. Tag 2 – mein erster Versuch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Bäckerei zu kommen. Irgendwie muss dass ja dann auch gehen, wenn ich fix dort anfange zu arbeiten – so die Überlegung. Mein Masterplan: ich hab mich auf mein Fahrrad gesetzt. Irgendwie muss ich ja schließlich zur Schnellbahn kommen und 3.5km in vollkommener Einsamkeit zu fahren is ja nicht so tragisch.
Mein einziges Problem war der Muskelkater. Den hab ich natürlich  nicht einberechnet. Ich hab mich ernsthaft gefragt, wie ich den Tag bzw. die Nacht überstehen soll.

Ganz so geschmiert is es dann natürlich nicht gelaufen. Masterplan adé. Aus der Schnellbahn ausgestiegen, hab ich  prompt meinen Nachtbus verpasst, also war mal wieder Taxifahren am Plan. Ärgerlich.
In der Backstube war dann das gleiche Prozedere wie den Tag davor. Umziehen – ganz ehrlich war ich schon an Tag 1 ein wenig von den Umständen „geschockt“. Es gibt 2 Spindräume für Männlein und Weiblein getrennt und das war irgendwie die ganze „Privatsphäre“ der Mitarbeiter. Es gibt nicht einmal die Möglichkeit sich irgendwo hinzusetzen und für 5min. in aller Ruhe einen Kaffee zu trinken. Duschen kann man auch vergessen, weil die vollgeräumt mit Wäsche war.
In meiner Vorstellung ist es wohl etwas sozialer Zugegangen, mit einem gemeinsamen Frühstück oder einer kleinen Pause, bei der man mal ohne Stress quatschen und verschnaufen kann.

Vom Tagesablauf hat sich Tag 1 und Tag 2 kaum voneinander unterschieden:  Unmengen an Golatschen, Kipferl und Brezeln produzieren. Immer mit kleinen Abwandlungen wie einmal Powidlfülle, einmal Nussfülle, aber trotzdem sehr ähnlich, alles im Akkord und auf dem Fließband und immer mit der Zeit im Hinterkopf. Irgendwie habe ich nicht einmal die Zeit gehabt mir darüber gedanken zu machen, ob ich die Golatschen jetzt wirklich Richtig falte. Sicher, meine Kollegen haben es mir gezeigt, aber wenn da 100 Teigvierecke vor dir liegen und alle nurmehr wie 8-armige Kraken ausschauen, weil sie so schnell sind, muss man natürlich mitkommen. Da bleibt gar keine Zeit für die Frage „War das jetzt richtig so?“.
An diesem Tag haben sich dann auch die Brotbäcker getraut, mich ein wenig auszufragen. Das hat mich wirklich positiv überrascht. Am ersten Tag habe ich vor allem von ihnen nicht gerade den besten Eindruck bekommen. Vulgär, schroff und sexistisch [Gilt übrigens auch für die Lieferfahrer]. Bis zu einem gewissen Maß muss man sich da wohl dran gewöhnen. An Tag 2 war davon zum Glück nicht mehr so viel zu merken.
Alle haben sich gewundert, wieso ich Bäckerin werden will, aber von niemandem, ist ein negatives Kommentar gekommen. Manche haben mich für ein 17-jähriges Mädchen gehalten [sehr schmeichelhaft ;)] andere haben wiederum von meiner Vorgeschichte schon was gehört. Alles in allem war aber ehrliches Interesse da. Das war echt schön!

Die Müdigkeit hat sich auch an Tag 2 in Grenzen gehalten und auch der Muskelkater, hat sich im Laufe der Arbeit verloren. Irgendwie ein schönes Gefühl, wenn man sieht was man so an einem Arbeitstag alles produzieren kann. Weniger schön, ist die Fließbandarbeit. 200 Golatschen an einem Tag machen ist Standard. Kreativ ausleben ist hier wohl fehl am Platz. Dafür kann man mit seinen Händen arbeiten, was mir definitiv liegt.

An Tag 2 war ich zwar schon weniger erschöpft, und vor allem war ich das stehen schon gewohnt, aber um nach der Arbeit auch nur irgendwas zu machen, wäre ich viel zu fertig gewesen.

Es hat gerade noch für einen Zwischenstopp  gereicht. Shoppingberatung spielen. Allerdings wär ich beim Warten schon fast auf einer Bank eingeschlafen. Ich war zu früh dran, habe mich hingelegt und naja, Zzzzz…
Auch das Radfahren nach Hause hab ich nur mit Müh und Not geschafft. Endlich daheim, hab ich mich wieder halbtot auf die Couch sinken lassen und bin dort bis zum Schlafengehen liegengeblieben.

Abwarten wie Tag 3 wird!

Alles Liebe
Eure LaGusterina

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Eine Antwort zu “1x Bäcker und zurück – Teil V

  1. Ich bin gespannt. Die Fließbandarbeit gehört leider dazu, schließlich wollen die Kunden ja ein volles Sortiment und nicht die einzige Streuselschnecke oder was auch immer produziert wurde, vom Vordermann weggeschnappt bekommen. Voll muss die Theke sein und zwar am besten bis kurz vor Feierabend. Vielleicht wäre ein Cafè eher der Ort, von dem du träumst. Da kann man handgebackene Einzelstücke verkaufen und es wird gewürdigt. Die Leute kommen und schauen, was es gibt. Da kannst du auch ein täglich wechselndes Sortiment anbieten und dir Zeit zum Verzieren lassen. Von Bäckereien erwartet man leider ein Supermarktsortiment und so wird dort auch produziert. Der Umgangston in einer Bäckerei ist sicher herb, aber da steckt auch viel Herzlichkeit dahinter, viel mehr zählt aber, wie gut man zusammenarbeitet. Das war für mich der größte Zugewinn der Ausbildung. War ich vorher ein einzelgängerischer Hornochse, hab ich im Laufe der Ausbildung das Teamwork kennen und schätzen gelernt. Sehen, wo was gebraucht wird und überall schnell hilfreich zur Hand zu gehen, das war ein unheimlich gutes Gefühl und für mich eine völlig neue Erfahrung. Bin gespannt, wie es bei dir weitergeht. 😉

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