Anständig Essen – Ein Selbstversuch

Endlich habe ich es geschafft, das Buch Anständig essen, von Karen Duve fertig zu lesen. Irgendwie haben mich andere Bücher immer wieder abgelenkt, obwohl mich die Thematik zur Zeit sehr interessiert.

duve_anst„Manchmal wünschte ich, ein Hackbraten wäre wieder ein Hackbraten, ein Grillfest ein großes Vergnügen und ich könnte in eine Bratwurst beißen, ohne dass dafür an finsteren Orten wochen- und monatelang gelitten wird.“ Bestsellerautorin Karen Duve wollte herausfinden, ob man sich heutzutage noch irgendwie moralisch korrekt ernähren kann. Und so wurde sie probeweise zur Bio-Käuferin, zur Vegetarierin, Veganerin und Frutarierin und schrieb ein ebenso augenöffnendes wie eindringliches Buch darüber. Ohne Moralpredigt, dafür mit dem ganz speziellen, knochentrockenem Duve-Humor.

Auf das Buch bin ich durch Angie von Bissen fürs Gewissen gestoßen. Sie hat vor ein paar Wochen, im Zuge des Shorty Vegan Guide, die Kategorie Bücher zum Thema vegan vorgestellt und unter anderem war dieses hier dabei. Als ich dann in der Bücherei darüber gestolpert bin, habe ich es als Wink des Schicksals gesehen und es mir ausgeborgt – und absolut nicht bereut!

Um was es in diesem Buch geht? Die Autorin startet einen Selbstversuch und probiert innerhalb eines Jahres 4 verschiedene Ernährungsweisen aus. Für 2 Monate wird sie zur Bio-Käuferin, zur Vegetarierin, um anschließend für 4 Monate vegan zu leben. Abschließend stellt sie sich der Herausforderung für 2 Monate die Ernährungsweise eines Frutariers zu übernehmen.

Was mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat ist, dass sich offensichtlich eine Ottonormalkonsumentin beginnt mit Ernährung zu beschäftigen. Womöglich ist sie aufgeschlossener als der fleischliebende Nachbar von nebenan, oder wie in meinem Fall die eigenen Eltern, aber trotzdem merkt man, dass sie erst durch das schreiben dieses Buches tiefer in die Thematik eingetaucht ist und sich versucht zurecht zu finden. Dazu zählt allerdings nicht nur, was darf ich essen und was nicht, sondern auch die Reaktionen ihres Umfelds und ihre Recherchen.

Der für mich wichtigste Aspekt in ihrem Buch ist, das Hinterfragen des eigenen Konsums.
„Ehrlich gesagt, habe ich mir das anders vorgestellt. Ich dachte, ich käme leichter davon. Zu Beginn meines Selbstversuchs hatte ich mir nämlich tatsächlich eingebildet, ich wüsste bereits, worauf das Ganze hinauslaufen würde, jedenfalls so ungefähr: insgesamt etwas achtsamer leben, deutlich weniger Fleisch essen, vielleicht die Hälfte von dem, was ich vorher gegessen hatte, und wenn, dann nur noch Fleisch aus ökologischer Haltung. Aber leider ist es etwas völlig anderes, einen Weg zu gehen, als in bloß zu kennen. Und manchmal merkt man erst, dass man dabei eine Grenze überschritten hat, wenn man bereits auf der andere Seite steht. (…) Sich mit den Tatsachen der Mastanlagen und Schlachthöfe auseinanderzusetzen, ist kein Ausflug, von dem man zurückkommen kann, um am Kamin von seinen Abenteuern zu erzählen und anschließend sein vorheriges Leben wieder aufzunehmen.“

Anständig Essen, hat auch mir wieder ein Stückchen mehr die Augen geöffnet, die auch ich oft ganz gerne mal verschlossen halte. Bei mir ist es zwar weniger das Fleisch, dafür aber umso mehr Milch & Co, bei denen ich ab und zu ein Auge zudrücke.

Ich persönlich habe mich sehr gut mit der Autorin identifizieren können und auch die Aufarbeitung des Themas finde ich toll. Alltagserzählungen, Fakten und „Interviews“ mit anderen Beteiligten wechseln sich immer wieder ab und machen das Buch dynamisch, persönlich und informativ.
Man merkt, dass auch die Autorin nur ein Mensch ist und alles gar nicht so einfach ist wie zuerst gedacht. Es besteht also keine Gefahr, unter Dauerbeschuss von Missionierungsversuchen zu sein. Duve schreibt offen, humorvoll und ehrlich, was sie während ihres Selbstversuchs so alles erlebt hat, da kommt von Essgelüsten, die eigentlich böse sind, bis zu moralischen Bedenken ob sie überhaupt noch ihrem Hobby dem Reiten nachgehen soll, alles vor.

Für mich war Anständig Essen, ein absolut lesenswertes Buch, dass ich nur jedem empfehlen kann, der harte Fakten auch lieber eingebettet in eine „Geschichte“ liest, weil durch diese alles gfreifbarer wird.

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